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Die Sache mit der Jungpflanzenanzucht |
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Auch hier habe ich immer nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" gehandelt. In meiner Praktikumszeit in der Staudengärtnerei habe ich zwar gelernt, wie es gemacht wird, jetzt in meiner "Privatgärtnerei" waren die Bedingungen jedoch bei weitem nicht so optimal. Mir standen an Stelle eines beheizten Gewächshauses nur meine durchschnittlich hellen und viel zu warmen Fensterbänke zur Verfügung.
Aber ich wollte meine Tomatenpflanzen und Kräuter selbst heranziehen und so blieb mir nichts anderes übrig, als das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen. Damals wußte ich auch noch nichts von Kokosfasern und so kaufte ich mir fertige Anzuchterde und versuchte mein Glück. Ich begann Ende Februar mit der Aussaat und jedes Pflänzchen, daß sich zeigt hegte und pflegte ich hingebungsvoll.
Natürlich wurden sie allesamt viel zu lang und dünn und ganz hellgrün. Durch die Wärme und den Lichtmangel waren einige so geschwächt, daß sie nicht sehr lange lebten. So früh im Jahr scheint die Sonne noch nicht lange und intensiv genug, um lichthungrige Pflanzenkinder im warmen Zimmer auch nur annähernd zu befriedigen. |
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Sprossenanzucht:
eine reale Vitaminquelle im Winter |
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Aber je mehr es Frühling wurde, um so heller wurde es auch. Pflanzen, die schon relativ groß waren pikierte ich sehr sorgfältig, einige mußte ich mit einem Stöckchen stützen, damit sie nicht umknickten. Um durch die Reflexion das vorhandene Licht besser auszunutzen stellte ich auf der zum Raum hin zeigenden Seite der Fensterbretter Spiegelkacheln auf. Außerdem kleidete ich die Pflanzschalen, in denen nun die pikierten Pflanzen in ihren Töpfchen standen mit Alufolie aus. Ich hatte den Eindruck, daß das zumindest ein bißchen was gebracht hat.
Übrigens ist es mir ein Bedürfnis an dieser Stelle mal mit einem Märchen aufzuräumen, daß nur allzugern von geschäftstüchtigen Leuten verbreitet wird. Wenn ihnen auf einem Kräutersamentütchen einmal der Hinweis entgegenkommt: "Sie können diese Kräuter auch ganzjährig auf der Fensterbank ziehen!" dann glauben sie am besten kein Wort davon. Auch wenn das ganze als "Kräutertopfset" daherkommt, bei dem ihnen etwas Blumenerde, drei billige und meistens viel zu kleine Tontöpfchen und einige Milligramm Samen zweifelhafter Herkunft zu völlig überhöhten Preisen verkauft werden sollen.
Es gibt in unseren Breiten nur eine einzige Ausnahme und das ist die Gartenkresse, die immer an der Fensterbank gedeiht. Das gehört aber eher schon in das Kapitel "Keime und Sprossen", weil man natürlich nicht die voll entwickelten Pflanzen erntet, sondern die Keimlinge, deren Keimblättchen sich gerade voll entfaltet haben. Wenn der nächste Winter kommt, werde ich auch dazu auf dieser Seite etwas schreiben, jetzt, wo die Natur wieder aufwacht scheint mir nicht die richtige Zeit dafür zu sein. |
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Kräuteranzucht:
braucht viel Licht. |
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Nun aber zurück zu meinen Bemühungen auf der Fensterbank. Diejenigen Pflanzen, die standhaft durchgehalten hatten kamen nun, als es draußen auch wärmer wurde in den Genuß des Sonnenlichtes. Ich stellte sie nämlich an warmen Tagen raus auf den Balkon.
Aber schon wieder mußte ich dazulernen. Ungeduldig, wie ich bin und dem motto "Viel hilft viel" folgend stellte ich meine "Bläßlinge" -wider besseren Wissens (muß ich zu meiner Schande gestehen!)- direkt in die Sonne. Nun ja, - nicht nur wir Menschen können Sonnenbrand bekommen, - Pflanzen leider auch. Ich hab es nicht geglaubt, bis ich es mit eigenen Augen sah.
Und so kam es, wie es kommen mußte: schon am ersten Abend war die Bescherung zu sehen, viele Blätter hatten einen gräulichen Schimmer. Einige Tage später begannen die betroffenen Blätter abzusterben, obwohl ich die Pflanzen dann natürlich nur noch in den Schatten stellte. Das kostete mich wieder einige meiner grünen Zöglinge. Diejenigen, die jetzt noch da waren, das mußten echte Pfundskerle sein
Ich topfte sie um (übrigens in Joghurtbecher mit Löchern im Boden), sie entwickelten neue, nunmehr an die Sonne gewöhnte kräftige Blätter. Natürlich waren sie viel kleiner, als Pflanzen, die man im Gartencenter Ende April zu kaufen bekommt, ich war aber sehr stolz, daß überhaupt welche überlebt hatten und weil ich zu Anfang von den Tomaten sehr viele ausgesät hatte, waren jetzt noch genug übrig, um meine gesamte Verwandtschaft mit Tomatenpflanzen zu versorgen. |
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Jungpflanzenanzucht:
so siehts in einem High-Tech Gewächshaus aus. |
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Und die Erträge die sie lieferten waren doch recht beachtlich. Insgesamt war ich jedenfalls recht zufrieden.
Womit ich nicht zufrieden war, waren die großen Verluste und der hohe Aufwand. Die Aussaat ab Ende Februar hatte mir außer bei den Tomaten keinen zeitlichen Vorsprung verschafft. Die Petersilie hatte zwar überlebt, aber ernten konnte ich noch lange nichts. Außerdem war zur Zeit der Aussaat die Wohnung vollgestellt mit Töpfen und Schalen. Spätestens von da an begann ich von einem Gewächshaus zu träumen.
Und siehe da! - dieser Wunsch erfüllte sich schon im folgenden Jahr, als ich nämlich im Rahmen eines Projektes die Möglichkeit bekam, Kräuter in einem der High Tech - Gewächshäuser unserer Forschungsanstalt heranzuziehen. Diesmal säte ich nur verschiedene Kräuter, - keine Tomaten, denn damit sich keiner eine falsche Vorstellung macht: ich hatte dort lediglich etwa 5 m² zugestanden bekommen, worüber ich mich aber schon riesig freute.
Da geht einem Gärtner natürlich das Herz auf! Optimale Lichtverhältnisse, optimale Luftfeuchte, optimale Temperatur - und das alles präzise elektronisch geregelt! Die Pflanzen wuchsen wie am Schnürchen. Kaum gesät, da keimten sie auch schon und die meisten Arten konnten bereits zwei bis drei Wochen nach der Aussaat pikiert werden. Nach weiteren zwei bis drei Wochen topfte ich bereits und diese Exemplare waren dann schon bereit für die "frische Luft". |
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Gewächshaus:
im Eigenbau sogar
auf dem Balkon möglich. |
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Natürlich habe ich sie dieses Mal zuerst in den Schatten gestellt! Man lernt ja aus seinen Fehlern. Wie geplant konnten die Pflanzen pünktlich Anfang Juni verkauft bzw. gepflanzt werden. In dieser Zeit begann ich auch mit dem Kokosfasersubstrat als Anzuchterde zu experimentieren und ich war sehr zufrieden damit. Zum Aussähen verwendete ich die Fasern pur.
Zum pikieren düngte ich sie etwas mit Guano- Dünger (Pulver) auf. Das funktionierte alles in allem sehr gut, bis auf daß ich merkte, daß ich beim salzempfindlichen Basilikum vorsichtig mit dem Dünger umgehen mußte, weil mir die jungen Pflanzen sonst eingingen.
Das einzige, was mir in diesem Jahr nicht gelang, das war der Majoran, der, weil ich ihn zu dicht gesät hatte dem Grauschimmelpilz zum Opfer fiel.
Nun, in diesem Frühling habe ich die Möglichkeit der Anzucht im "großen" Gewächshaus nicht. Dafür hat mir mein Liebster aber auf dem Balkon aus Dachlatten und Luftpolsterfolie ein richtiges Anzuchtgewächshaus gebaut. Es sieht aus wie ein Schrank, ich kann bequem darin stehen und es ist an einer Seite an der Wand so befestigt, daß man es im Sommer leicht wieder abbauen kann.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben war es ursprünglich dazu gedacht, meine nicht winterharten Pflanzen über die kalte Jahreszeit zu retten. Das war leider ein glatter Fehlschlag, denn so gut Luftpolsterfolie auch isoliert, bei minus zehn Grad und mehr ist einfach "der Ofen aus". Die Pflanzen sind alle erfrohren. Mit einer Heizung hätte es vielleicht geklappt, aber das war hier technisch nicht möglich. Wieder was dazu gelernt! Aber jetzt wächst die neue Pflanzenpracht darin heran und das entschädigt mich enorm.
Das Gewächshaus hat mich ungefähr 200 DM gekostet und ist sehr leicht, so daß die Tragfähigkeit des Balkons nicht auf die Probe gestellt wird. Außerdem muß es nicht auf dem guten Fliesenboden befestigt werden und dadurch, daß es an vier Wandleisten hängt, kann es auch bei noch so starkem Sturm nicht davonfliegen. So haben wir alle Probleme von gekauften Balkongewächshäusern vermieden und das Patent hat sich als sehr zufriedenstellend erwiesen. |
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