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  Wie alles anfing?

  Angefangen hat alles in den Gärten meiner Großeltern und Eltern. Dort war ich immer mit dabei. Weil ich in der DDR groß geworden bin, kannte ich solche Leckereien, wie Tomaten oder Erdbeeren oder aber frische Kräuter nur aus dem eigenen Garten. Während ich im Garten spielte, bekam ich so nebenbei mit, wie Pflanzen heranwachsen, ich lernte die Pflanzennamen kennen, wie sie angebaut werden und wann man sie ernten kann.

Aber ich war eigentlich am meisten daran interessiert, die leckeren Erdbeeren und Stachelbeeren zum alsbaldigen Verzehr in mein rotes Eimerchen zu sammeln. Ab und zu zog mein Opa mir dann ein paar junge Möhrchen oder einen zarten Kohlrabi aus der Erde, die ich direkt verspeisen durfte. Petersilie, Schnittlauch und andere Küchenkräuter gab es immer reichlich, - so reichlich, daß wir die Nachbarschaft mit versorgen konnten. Daraufhin nannte eine Nachbarin meinen Opa "den Petersilienmann".

Aus dieser Zeit habe ich das Wissen, über den guten Geschmack von saisonalen gartenfrischen Gemüsen und Früchten mitgebracht, das bei mir die Skepsis gegenüber rund ums Jahr prall gefüllten Gemüseläden wach gerufen hat. Ich weiß eben, wie Tomaten oder Erdbeeren schmecken müssen. Ich hatte schon früh eine Vorstellung davon, was Pflanzen zum Wachsen brauchen, und das mit den Salatköpfen im Winter etwas nicht stimmen konnte, das sagte mir mein gesunder Menschenverstand schon lange, bevor ich anfing Gartenbau zu studieren.
Was Heilkräuter angeht, so bekam ich auch hier ein bestimmtes grundlegendes Alltagswissen schon in frühester Kindheit mit auf den Weg.
 
  Quedlinburg

das Hexen-(Häuschen)-Paradies
  Mit meiner Oma ging ich oft Heilpflanzen sammeln. Wir sammelten Brennesseln, Hagebutten, Johanniskraut, Birkenblätter und andere Wildpflanzen. Im Sommer waren wir oft damit beschäftigt ihre Ringelblumenblütenernte "einzufahren". Dabei erzälhlte sie mir, was sie über die Verwendung von Kräutern von ihrem Großvater (einem Heilpraktiker und Kräuterkundigen) mitbekommen hatte. Das hat mir immer viel Spaß gemacht, aber es war für mich etwas alltägliches, wie Kochen und Backen. Ich betrachtete es nicht als etwas besonderes. Das die meisten Menschen wahrscheinlich nichts über Kräuter wissen, bekam ich erst in der Schule mit.
Ich erinnere mich noch an eine Klassenfahrt ins Selketal im Harz. Das ist ein wunderschönes wildes Tal und an den Selkeufern gibt es satte grüne Feuchtwiesen. Auf diesen Wiesen wächst reichlich Frauenmantel. Meine Mutter sprach immer davon daß sie mal eine Kur mit Frauenmanteltee machen wollte aber in unserer Gegend wächst dieses Kraut so gut wie gar nicht. Als ich nun diese riesigen Mengen Frauenmantel sah, war ich die meiste Zeit nur mit Sammeln beschäftigt.

Ich band meine Unterhemden an einem Ende zu und stopfte die Kräuter hinein. So hatte ich am Ende der Woche einige solcher "Säcke" voll. Als meine Mitschüler und Lehrer das mitgekriegt haben, da waren sie ziemlich verwundert. Sie haben mich ausgefragt, warum ich das denn sammele. Ich sagte ihnen, daß das eine Heilpflanze ist, die man als Tee verwenden kann.

Dann haben sie gefragt, wogegen das denn gut ist. Auch das habe ich ihnen erklärt, aber alles in allem war mir die ganze Sache schon mächtig peinlich. Zudem fingen die Leute mehr und mehr an, sich über mich lustig zu machen. Ich hab mich aber trotzdem nicht davon abbringen lassen und meine kostbare Fracht unter allgemeinem Gelächter sicher nach Hause gebracht, wo sie dann ihrer Bestimmung zugeführt wurde.

Spätestens von da an wußte ich, daß es eher ungewöhnlich ist, sich mit Kräutern zu beschäftigen, und das man es besser nicht jedem gleich auf die Nase bindet. Ich besorgte mir Kräuterbücher und kaufte mir auch eine Pflanzenbestimmungsbuch. Immer, wenn ich draußen unterwegs war, schaute ich mich um, ob ich Pflanzen aus meinen Büchern wiederfinden konnte. Dabei stellte ich schnell fest, daß die uns umgebende Flora doch eher weniger abwechslungsreich ist, und daß viele Pflanzenarten nur noch selten anzutreffen sind.

Auch fiel mir auf, daß es nur noch wenige unberührte natürliche Plätze gibt, und daß mit dem was noch vorhanden ist oft nicht eben sorgsam und respektvoll umgegangen wird. In mir entstand der Wunsch, etwas für die geschundene Natur zu tun. Ich begann mich für Umweltschutz und ökologischen Landbau zu interessieren. Letztendlich, wenn auch über Umwege, hat mich mein Weg dahin geführt, daß ich die Ausbildung zum Gartenbauingeneur begonnen habe.

Mittlerweile habe ich mein Studium fast hinter mir und meine Träume und Pläne haben sich kristallisiert. Neben dem theoretischen Wissen habe ich parallel auch allerlei ganz praktische Erfahrungen gesammelt, von denen ich hier allen, die es interessiert, berichten will.

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