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Meine Wurmkiste |
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Die Möglichkeit während meines Studiums im Freiland Pflanzen anzubauen, habe ich mir hier und da im Rahmen von verschiedenen Projekten geschaffen. Privat hatte ich jedoch bisher nur einen Balkon zur Verfügung. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht von Anfang an den Ehrgeiz gehabt hätte, das Maximum aus dieser Möglichkeit herauszuholen.
Diese sechs Quadratmeter waren von nun an mein Experimentierfeld und mußten für alles herhalten, was mir in diesem Zusammenhang so einfiel.
In Büchern und Zeitschriften las ich über das Gärtnern auf dem Balkon, daß gekaufte Blumenerde und Flüssigdünger die Grundlage der hängenden Gärten sein sollen. Eine andere Möglichkeit der Nährstoffversorgung hatte ich während meiner Praktikumszeit in einer Staudengärtnerei kennen gelernt, - die Düngung mit Depotdüngern wie Osmocote, Plantacote und Co.
Diese Möglichkeit schloß ich aber von vornherein aus, weil diese Düngerkügelchen mineralische Kunstdünger sind und ich wollte ja biologisch gärtnern. So kaufte ich mir den einzigen einigermaßen organischen Flüssigdünger, der im Handel erhältlich ist, nämlich "Guano flüssig" und versuchte mein Glück. Es funktionierte nicht besonders! |
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Die selbstgebaute Wurmkiste
preiswert und fruchtbar. |
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Die Blumenerde aus dem Gartencenter war trotz hohem Torfanteil nicht besonders strukturstabil. Sie trocknete sehr schnell aus und war dann kaum mehr feucht zu kriegen. Aber auch wenn sie feucht war, floß die alle ein- bis zwei Wochen gegossene Düngerlösung unten heraus, wie ich sie oben hineingegossen hatte und das nicht viel hängengeblieben war, das sah man den Pflanzen dann auch an.
"Ach wenn ich doch nur einen Komposthaufen hätte!" . Aber einen Komposthaufen auf dem Balkon? Das geht nun wirklich nicht. - Dachte ich! Bis, - ja -bis ich mir eine Gartenzeitschrift kaufte, in der ein Artikel über eine sogenannte "Wurmkiste" stand. Ich war begeistert und ein paar Tage später hatte ich auch schon meine fertig gebaute Wurmkiste zu stehen.
Sie ist 90 cm breit, 40 cm hoch und 35 cm tief. Mit einem Rahmen, der mit einem Drahtnetz bespannt ist habe ich die Kiste in zwei gleich große Bereiche unterteilt. So war die Wurmkiste in der Zeitung auch gebaut und das sollte den Zweck haben, daß immer eine Seite mit aktuellen Abfällen bestückt wird, während auf der anderen Seite der reife Kompost entsteht. Nun, so ganz hat das leider nicht funktioniert, aber dazu später.
Und natürlich hat die Kiste auch einen Deckel, damit die Abfälle nicht austrocknen.
Nun hatte ich die Kiste, was mir jetzt noch fehlte, waren die Würmer. Die habe ich mir per Post bei einer Wurmzucht bestellt. Leider waren die Angaben in dieser Zeitschrift nicht besonders genau, es stand nicht geschrieben, wie viele Würmer man braucht.
Ich habe mir 200 Stück bestellt. Übrigens, falls Sie auf die Idee kommen sollten, Regenwürmer selber zu sammeln, da kann ich nur sagen, daß das sehr mühsam ist. Am besten geht das nach einem üppigen Regen, wenn die Würmer auf asphaltierten Straßen unterwegs sind und dort sowieso dem Verderben preisgegeben sind. |
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Regenwürmer:
unentbehrliche Gartenhelfer. |
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Ansonsten lassen Sie sie lieber in der Freiheit. Wer natürlich Freunde oder Nachbarn mit einem guten Komposthaufen hat, der kann dort nachfragen, ob er nicht hin und wieder mal eine Hand voll Regenwürmer haben darf.
Aber zurück zu meiner Wurmkiste. Als dann die 200 Tierchen ankamen fand ich, daß das ein bißchen wenig war, aber es war Herbst und somit ließ ich es dabei und hoffte, daß sich meine neuen "Haustiere" schnell vermehren. Nachdem ich auf dem Boden der Kiste eine etwa 5 cm dicke Schicht Erde ausgestreut hatte fütterte ich sie ordentlich mit Kaffeesatz, Kartoffelschalen, allerlei Gemüseabfällen, Pflanzenabfällen und am Anfang sogar Eierschalen.
In der kalten Jahreszeit tat sich nicht besonders viel und so war die zweite Hälfte der Kiste voll, bevor die erste richtig verrottet war. Das kann daran liegen, daß die Regenwürmer nur von Bakterien und Pilzen "vorverdautes" Material aufnehmen können, weil sie keine Mundwerkzeuge haben. (Das ist übrigens auch der Grund, warum sie lebenden Pflanzen niemals gefährlich werden können!) Bakterien und Pilze sind im Winter nicht so aktiv und die Würmer waren wohl auch eher träge.
Kaum wurden die Temperaturen aber etwas frühlingshafter, begann die Kiste zu leben. Ich beobachtete, daß besonders der Kaffeesatz als Kinderstube beliebt zu sein schien. Die Würmer vermehrten sich in der Tat prächtig und sie gingen so eifrig ihren Geschäften nach, daß ich pünktlich im April - Mai meinen ersten eigenen Wurmkompost "ernten" konnte.
Und das war ein feines Zeug! Alle Pflanzen, die ich darin eingepflanzt habe, gediehen prächtig.
Jetzt werden Sie sich sagen: Das muß ja mächtig stinken so eine Kiste auf dem Balkon? |
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Der Wurmkisten-Kürbis:
ist von allein gewachsen. |
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Nein, es stinkt überhaupt nicht,- erstaunlicherweise! Natürlich muß man darauf achten, daß der Inhalt weder zu trocken noch zu feucht ist. Wenn man die Abfälle direkt frisch in die Kiste tut, dann entsteht überhaupt kein Geruch. Haben die Abfälle schon beim Sammeln angefangen zu modern, dann kann man den Geruch binden, indem man das Material mit etwas kohlensaurem (schwer löslichem) Kalk abstreut.
Das ist ohnehin sinnvoll, damit der pH - Wert im Kompost später nicht zu niedrig wird. Wenn ich nocheinmal eine Wurmkiste anlegen würde, dann würde ich mir wünschen, daß die ganze Sache schneller in Gang kommt und dazu wäre es nötig mit mindestens 1000 Würmern loszulegen.
Die Geschichte mit den zwei Kammern hat sich nicht bewährt, weil eine Kammer immer schneller voll ist, als der Kompost in der anderen Kammer fertig ist. Das bedeutet, ich muß immer warten, bis alles in der Kiste vollständig verrottet ist, um ernten zu können und ich kann nicht ständig Abfälle in die Kiste füllen.
Wir sind im Augenblick dabei, eine Kiste zu entwerfen, bei der das Ganze ständig von oben nach unten abläuft.
Alles in allem jedoch empfinde ich meine Wurmkiste als echte Goldgrube. Ich habe immer ein nährstoffreiches Substrat zur Verfügung und brauche fast keine Erde mehr zu kaufen und kann somit weitestgehend auf die Verwendung von Torf verzichten. Damit das Substrat seine Struktur behält und nicht im Laufe der Zeit zu sehr zusammenrutscht mische ich es im Verhältnis 1 : 1,5 bist 1 : 2 mit Kokosfasern. Das ist eine echte Alternative zu fertiger Blumenerde und mein Pflanzen und danken es mir.
Daß die Wurmerde äußerst fruchtbar ist bewies sich spätestens, als sich im letzten Sommer eine kräftige Kürbispflanze darin selbst aussäte (Ich habe auch Kürbisabfälle mit Kernen in die Kiste getan), die mir im Herbst einen köstlichen Kürbis von 20 cm Durchmesser bescherte. Ehrlich, ich habe nichts weiter getan, als hin und wieder mal ein bißchen Wasser zu geben! |
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