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  Von Wildschweinen, Bürokraten, Jägern und Wildgattern

  Unsere 1,5 ha Bergwiese waren seit Jahren ein beliebter Tummel-Platz für Wildschweine. Für alle, die mit diesen possierlichen Tieren weniger vertraut sind: Wildschweine hinterlassen nach Ihren Parties deutliche Spuren. Der Boden wird bei der Suche nach unterirdischen Leckereien aufgewühlt uns sieht anschließend aus wie ein Schlachtfeld.

Der Bio-Bauer, der den benachbarten Acker bestellt, erzählte uns von erheblichen Wildschäden, die er trotz aufgestelltem Elektrozaun zu verzeichnen hat. Da Kräuter für sich schon ein leckeres Menü für Wildschweine, Rehe, Hasen , Kanninchen und andere Bewohner des angrenzenden Waldes sind, war unser Entschluß klar: ein Zaun muss her.

Doch vor die Errichtung eines Zaunes hat der Deutsche sich ertseinmal mit Bürokraten auseinanderzusetzten. Nach meiner persönlichen Berechnung kommen auf jeden deutschen Landwirt etwa 7,85 Bürokraten. Man ahnt garnicht, wieviele Beamte sich mit den verschiedenen Aspekten der Landwirtschaft beschäftigen.

Und so wird es niemanden erstaunen, dass nach einigen Behörden-Besuchen, Telefonaten und Briefverkehr schließlich (nach einigen Wochen) ein Bescheid ins Haus flatterte mit der Mitteilung, daß die Errichtung eines Zaunes genehmigungs-pflichtig wäre und (sofern das überhaupt genehmigt würde) mindestens 700,- Euro Gebühr kosten würde.
 


435 Meter Wildgatter-Zaun:

das waren 3 Wochen harte Arbeit
  Doch glücklicherweise gibt es das Internet. Und so fanden wir in kurzer Zeit heraus, dass an diesem Bescheid so ziemlich nichts stimmte. Erstens war der Name des Gesetzes vollkommen falsch zitiert. Und dann das wirklich erstaunliche: gerade der zitierte Paragraph erläutert, dass in unserem Fall die Errichtung eines Zaunes genehmigungsfrei ist, da eine Kräuter-Gärtnerei nach dem Gesetz als landwirtschaftlicher Berieb gilt und gerade im August 2002 dieses Gestz verabschiedet worden ist, um Landwirten unnötige bürokratische Hindernisse aus dem Weg zu räumen! Na, also.

Und so konnten wir denn nach einigen weiteren Telefonaten und weiterem Briefverkehr schließlich mit dem Zaun-Bau beginnen.

200 Stickel (so nennt man die 2m langen und ca 7-8cm dicken Holzstämme), ein 5 Kilo-Vorschlag-Hammer und ein Erdbohrer zum Vorbohren der Löcher waren in der Zwischenzeit eingetroffen und so konnte es schließlich losgehen mit der schweißtreibenden Arbeit.
 
  Ein zweiflügeliges Tor:

als krönender Abschluß
  Ach ja, da waren ja auch noch die Jäger. Die Wildschweine (und wahrscheinlich auch viele andere Waldbewohner) haben am unteren Ende der Bergwiese entlang der Schlehenhecke einen Trammpelpfad, der zu einer Quelle auf dem benachbarten Grundstück führt. Und dies haben die Jäger ausgenutzt. Mitten auf der Anhöhe der Bergwiese hatten Sie einen fahrbaren Hochsitz aufgestellt und brauchten so nur abzuwarten, bis die Wilschweine vorbeikammen.

Damit ist jetzt Schluß. Denn da dieser Hochsitz ohne Genehmigung errichtet war und er runs auch definitiv im Weg stand, musste er weg. Das hat die Mitglieder des örtlichen Jagdvereins sicherlich nicht besonders erfreut. Aber als wir dann auch noch mit dem Zaunbau begannen, stand nach einigen Tagen prompt der Vorsitzende des örtlichen Jagdvereins vor uns, breitbeinig und mit in die Seiten gestemmten Ellenbogen und fragte uns, was wir denn da täten und ob wir das wohl dürften.

Wir durften und wir dürfen. Und nachdem wir 450 Meter Wildgatter ( eine Art Masdchendrahtzaun, dessen Maschen oben weiter und unten enger sind ) und 1.400 Meter Spanndraht sowie ca 150 Drahtspannner und einige Kilo Krampen verarbeitet haben, steht der Zaun nun. Auch wenn der Herr Vorsitzende uns jetzt nicht mehr grüßt.

Und für die Wildschweine ist es auch ein Gewinn. Die können jetzt auf Ihrem Trampelpfad zwischen Schlehen-Hecke und Zaun völlig unbeobachtet und ungestört zu Ihrer Quelle traben.

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