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"Blaukorn" - gut oder nicht gut ? |
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Zum Thema "Blaukorn" möchte ich, sozusagen aus aktuellem Anlaß,
etwas schreiben. Vor einigen Tagen (24.4.02) schaute ich mir nämlich im MDR
- Fernsehen die Sendung "Unser Garten" an. Dort wurde den gärtnernden
Zuschauern empfohlen, ihrem Garten mit dem blauen "Gold" auf die Sprünge
zu helfen. Ich muß leider sagen, daß ich solche Empfehlungen für
nicht mehr ganz zeitgemäß halte und ich möchte Ihnen an dieser
Stelle auch erklären warum.
Zur Information, "Blaukorn", das ist ein rein mineralischer Kunstdünger,
der die Nährstoffe Stickstoff, Phosphat und Kali (NPK) im Verhältnis
12% : 12% : 17%. Die Nährstoffe sind sofort verfügbar. "Blaukorn"
enthält keinerlei organisches Material, - das bedeutet kein Ausgangsmaterial
zur Humusbildung und keine Nahrung für`s Bodenleben.
Jahrzehnte lang war dieser Volldünger auch bei Hobbygärtnern sehr
beliebt. Jetzt werden die Folgen sichtbar. Wie sich durch Bodenuntersuchungen
immer wieder herausstellt, sind Gartenböden nämlich mit den Nährstoffen
Phosphat und Kali nur allzu oft völlig überversorgt. |
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Die Wurmkiste:
einfach Kompost selbst produzieren |
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Was den Stickstoff angeht, so geschieht hier bei Überversorgung keine Anreicherung,
sondern was nicht von Pflanzen aufgenommen wird, wird schlichtweg (als Nitrat)
ins Grundwasser ausgewaschen. Schon allein der drohenden Nitratauswaschung wegen
darf also kein Düngemittel einfach blindlings ausgebracht werden. Das ist
der eine Teil des Problems.
Der andere, sehr nachhaltig wirksame Faktor ist der, daß das Bodenleben
und die Bodenstruktur durch die fehlenden organischen Anteile in rein mineralischen
Düngern extrem leiden.
Ein gesundes Bodenleben und ein ausreichender Humusanteil sind jedoch die grundvorraussetzung
für einen leistungsfähigen Boden und somit nachhaltige Fruchtbarkeit.
Die Bodenlebewesen ernähren sich zum einen von organischem Material und
bauen dieses zum anderen zusammen mit mineralischen Bodenbestandteilen zu Ton
- Humus - Komplexen um. Dadurch entsteht eine stabiles, speicherfähiges
Krümelgefüge. Außerdem werden durch die biologische Aktivität
Nährstoffe aus toten organischen Materialien herausgelöst und für
die Pflanzen verfügbar gemacht. |
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Bodenprofile:
kennen Sie Ihren Gartenboden? |
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Ein weiterer Effekt ist, daß durch eine gesunde Besiedlung des Bodens mit
Mikroorganismen pflanzenschädliche Keime zurückgedrängt werden.
Werden diese so wichtigen Lebewesen nun nicht mehr "gefüttert",
weil der rein mineralische Dünger keine organische Substanz enthält,
dann sind sie zum Tode verurteilt und langfristig wird mit ihnen die Bodenfruchtbarkeit
dramatisch schwinden
Daß sich eine rein mineralische Düngung negativ auf die Bodenfruchtbarkeit
und somit die Erträge auswirkt, das ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen
und selbst konventionelle Großproduzenten von z.B. Gemüse setzen
seit Neuestem wieder auf eine teilweise organische Düngung.
Für einen Hobbygärtner, dessen Gartenboden durch jahrelange Gaben
von mineralischen Volldüngern wie "Blaukorn" mit Kali und Phosphat
immer noch mehr als ausreichend versorgt ist, tut sich da jedoch ein Problem
auf. Er dürfte nämlich für einige Jahre diese Nährstoffe
gar nicht mehr zuführen. Viele organische Dünger wie z.B. Kompost
enthalten aber reichlich davon. Und so hat er entweder die Wahl, den Nährstoffgehalt
des Bodens noch mehr zu erhöhen, womit er neben der Auswaschungsgefahr
auch das Erreichen pflanzenschädlicher Konzentrationen riskiert, oder er
muß sich mit der "Wiederbelebung" noch einige Jahre gedulden
bis die Gehalte durch Entzug gesunken sind. |
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Kompost:
enthält reichlich Nährstoffe |
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Das klingt vielleicht sehr drastisch, aber es ist die Wahrheit. Ich finde das
ist Grund genug, spätestens jetzt, mit der Anwendung von Düngern wie
"Blaukorn" Schluß zu machen!
Vertrauen Sie lieber auf den guten alten Kompost. Der kostet Sie nichts extra,
steht immer zur Verfügung und er enthält Phosphat, Kali und Spurenelemente
i.d.R. ausreichend. Außerdem ist er bereits "von sich aus" belebt
und enthält viel organische Substanz. Um Stickstoff zuzuführen sind
sie mit Stallmist oder organischen Handelsdüngern wie Guano, Rhizinusschrot
oder Maltaflor gut bedient.
Aber achten Sie darauf, daß Sie auch hier nicht über die Stränge
schlagen. Natürlich muß auch bei einer organischen Düngung eine
Überversorgung vermieden werden. Es ist deshalb ratsam den Boden hin und
wieder untersuchen zu lassen. In der Regel werden Sie von den Mitarbeitern der
Institutionen die Böden analysieren auch gerne bezogen auf ihren Einzelfall
beraten. Nehmen Sie dieses Angebot ruhig wahr.
Mehr zum Thema Bodenproben und Düngung in brisantes und in Bücher. |
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