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  Eine persönliche Betrachtung zur Kulturgeschichte des Gartenbaus

 

Das Eintauchen in die Geschichte im Allgemeinen kann ein spannendes Abenteuer sein, denn es führt uns zu unseren Wurzeln und lässt uns verstehen, was es mit vielen Dingen auf sich hat, die wir vorfanden, als wir auf diese Welt kamen.

Für mich ist das Eintauchen in die Geschichte des Gartenbaus ein besonderes Erlebnis, - ja  ein Bedürfnis. Das heißt, eigentlich finde ich die Bezeichnung "Geschichte des Gartenbaus" zu nüchtern. Viel lieber möchte ich von der "Geschichte der Gartenkultur"  sprechen, denn ich betrachte Gärten als ein Stück menschlicher Kulturgeschichte.

 Begebe ich mich nun auf Spurensuche, eröffnet sich mir der Blick in Welten, deren unsichtbare Ausläufer sich so leicht mit meiner eigenen gärtnerischen Erlebniswelt verknüpfen, daß sich vor mir ein Teil der Vergangenheit ausbreitet, so lebendig wie mein eigener Garten.

 
  Gärten...

...sind ein Stück Kulturgeschichte
 

Je mehr ich mich mit dieser Thematik beschäftige umso mehr gewinne ich den Eindruck, daß GärtnerInnen durch alle Zeiten hindurch von ähnlichen Sehnsüchten geleitet, ja getrieben wurden, daß sie bei der Ausübung der Gartenarbeit das selbe Vergnügen und ähnliche Befriedigung empfunden haben und daß die Faszination, die Menschen veranlasst Gärten in lebende Kunstwerke zu verwandeln durch die Jahrtausende hinweg dieselbe geblieben ist.

So stellen historische Gartenbeschreibungen  oft  Schilderungen dar, die den Garten als kleines Paradies  beschreiben.
Der Garten ist ein Ort der Stille und der Besinnlichkeit. Hier wird der Kontakt zur Natur gepflegt, - hier wächst Naturverständnis.
Der Garten als Teil des alltäglichen Lebensumfeldes, steht stellvertretend für die Natur "draußen".
Der Garten bringt gesunde und wohlschmeckende Nahrung im Überfluß hervor.

Gartenarbeit macht glücklich, - so beschreiben wir das heute. Eine Neuigkeit ist das indes nicht.
Im Spätantiken Gedicht "Das Gärtlein des Weisen" (Verfasser unbekannt) heißt es u.a. "...Auch fehlt im Garten nicht das innigste Vergnügen, Zerstreuung mancherlei und Fröhlichkeit...." ( zitiert in STOFFLER , 2003, S. 37)

 Es wird dort genau beschrieben, daß der Garten nicht nur zur Erzeugung physischer Nahrung dient, sondern ebenso ein Ort der geistigen Erbauung, der Erhohlung und Entspannung ist. Heute wird dergleichen als "Wellnessoase" bezeichnet.

"...aus traurigem Gemüt scheucht er die schweren Sorgen..."
Diese Zeile zeigt deutlich, welche Bedeutung der Dichter dem Garten für die seelische wie körperliche Gesundheit der Menschen eingeräumt hat.

Solche Darstellungen finden sich häufig in  literarischen Werken über den Gartenbau. 

 
  Aus traurigem Gemüt ...

...scheucht er die schweren Sorgen...
 

Der Mönch Walahfrid Strabo, der im 9. Jh. sein Lehrgedicht "De Cultura Hortorum" - "Über den Gartenbau", verfasste, beschreibt die Gartenarbeit derart poesievoll, daß der Genuß, den er durch das Gärtnern empfunden haben muß auch Jahrhunderte nach Entstehung des Gedichtes beim Lesen noch deutlich spürbar ist.
Die Bewunderung dafür, daß selbst die am unwirtlichsten erscheinenden Standorte (Schatten, Sand, Steilhänge, hügeliges Gelände) reiche Früchte hervorbringen, wenn mit entsprechender Sorgfalt und Mühe die nötige Arbeit verrichtet wird, ist für Menschen, die ebensolche Begeisterung in ihrem Garten empfinden auch heute noch genauso nachvollziehbar.

 
  Ein Band...

...aus Blüten und Duft schlingt sich durch alle Zeitalter
 

Obwohl viele der Gärten wie auch die Gärtner der Vergangenheit längst zu Staub zerfallen sind, schafft die sich ständig erneuernde Natur eine lebendige Verbindung, die die Jahrhunderte überdauert.
Leidenschaftliche GärtnerInnen weben damals wie heute an diesem Band,  werden in der  Gegenwart genährt von Wurzeln, die tief in die Vergangenheit reichen und lassen Äste weit in die Zukunft wachsen.


Literatur:

STOFFLER, Hans-Dieter: "Kräuter aus dem Klostergarten", Thorbecke - Verlag, Stuttgart 2003

Walahfrie Strabo: "De Cultura hortorum" - "Über den Gartenbau",  Lateinisch-Deutsche Ausgabe, Reclam Universal Bibliothek, Stuttgart 2003

 


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