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  Was macht eine Frau zur (Kräuter)hexe?

  Kräuter waren in früheren Zeiten die einzigen Arzneien, die den Menschen zur Verfügung standen. Wer sich mit Kräutern auskannte, hatte plötzlich eine gewisse Macht über Leben und Tod. Nun ja, das ist eigentlich schon fast das Ende der Geschichte. Aber wo ist überhaupt der Anfang?

Vielleicht liegt er ja dort in grauer Vorzeit, als es üblich war, daß die Männer auf die Jagd gingen und die Frauen Kräuter, Wurzeln und Früchte sammelten, sich um die Kinder kümmerten und das Feuer hüteten?

Die Männer schulten ihre körperlichen Kräfte, ihren Mut und ihre Geschicklichkeit um sich die Nahrung zu erkämpfen, die sich keineswegs freiwillig als solche zur Verfügung stellte.

Die Frauen hingegen kamen nur mit Aufmerksamkeit, Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen zum Ziel, denn es galt Verborgenes zu finden und das Geheimnis seiner Nutzung zu entschlüsseln. Ihnen kam es, neben der Nahrungsbechaffung, auch zu, Verwundete und Kranke zu versorgen.
 
  Bäume

spenden Kraft und Ruhe.
  Menstruationszyklus, Schwangerschaft und Geburt sowie Empfängnisverhütung, sind Frauen schon immer in der Situation gewesen, sich intensiv mit ihrem Körper auseinandersetzen zu müssen.

So entstand wohl allmählich ein großer Schatz an Informationen und Erfahrungen, der von den älteren, den weisen Frauen, an die jüngeren weitergegeben wurde. Nun, ausgehend davon, kann solches Wissen in diesen Zeiten kein Geheimnis gewesen sein, denn es war lebensnotwendig. Im Bilde darüber zu sein, welche Pflanzen man essen kann und welche nicht, und welche Mittel Krankheiten heilen und die Geburt erleichtern, das muß oft über Leben oder Sterben entschieden haben.

Und als die Menschen dann begonnen haben Pflanzen anzubauen, um ihre Ernährung zu sichern, was übrigens auch lange ausschließlich Frauensache war, da war es bestimmt umso wichtiger, mit allen Mitteln für ein gutes Gelingen zu sorgen. Dazu gehörten wahrscheinlich neben den praktischen Arbeiten auch kleine Zaubereien hier und da.

Und zu jeder Zeit wird es Frauen gegeben haben, die eine noch engere Verbindung zu ihrer natürlichen Umgebung hatten, als andere, deren Intuition besonders ausgeprägt und deren Verständnis besonders tiefgreifend war. Solche Frauen, die mit fühlendem Herzen und klarem Verstand lebten und arbeiteten, haben damit große Leistungen vollbracht, die allerdings in den Geschichtsbüchern verschwiegen werden.
 
  Die Natur

ist vollkommen.
  Statt dessen werden uns Geschichten von boshaften, kinderfressenden Weibern, ihren Buhlschaften mit dem Teufel und schwarzen Sabbaten überliefert.
Von den mittelalterlichen Verfolgungen waren natürlichauch unkonventionell denkende und handelnde Männer betroffen, aber der 1487 erstmals erschienene "Hexenhammer" ("Maleus Maleficarum", verfaßt vom Dominikanermönch und Inquisitor Heinrich Institoris?), der die juristische Grundlage für die Hexenverfolgung bildete, konzentrierte sich speziell auf Frauen.

Nun ja, schließlich hatte ja Eva die Sünde über die Menschheit gebracht weil sie von dem verbotenen Baum der Erkenntnis gegessen hatte. Moment mal, welche Sünde überhaupt? Neugier? Sehnsucht nach Bewußtsein? Wunsch nach Selbstbestimmung?

Und dann werden die ersten Menschen Evas wegen auch noch aus dem Paradies vertrieben damit sie bloß nicht auch noch auf die Idee kommen vom Baum des ewigen Lebens zu essen. - Was für eine absurde Geschichte!

Und dann auch noch dieser sogenannte Gottvater, der seine eigene Kreation aus dem Paradies vertreibt und sie mit Mühsal und Leid bestraft, nur, weil sie sein wollen, wie er. Ist das die Art, wie ein liebevoller Vater mit seinen Kindern umgeht?... Doch nun, - zurück zu den Hexen!
 
  Der Mond

zeigt sich in wechselndem Licht.
  Ich selbst verstehe unter Hexen zaubermächtige Frauen, die ihre Intelligenz und ihre persönlichen Fähigkeiten benutzen und ihr Leben frei und eigensinnig gestalten.

Solche Frauen arbeiteten damals vielleicht als Hebammen, Heilerinnen, Künstlerinnen, es waren u.U. auch Hausfrauen, die ihren Haustand auf, für damalige Weise, unkonventionelle Weise führten oder deren Garten besonders gut gedieh, deren Kuh besonders viel Milch gab. So intelligenten, starken Frauen, die kreativ waren, die ihren Weg gingen und die sich nicht den Konventionen fügten, müssen der weltlichen aber vor allem der kirchlichen Obrigkeit ein echter Dorn im Auge gewesen sein.

Und das nicht nur, weil es der zölibatären Enthaltsamkeit von sich geißelnden Mönchen nicht gerade förderlich war, wenn da in der Welt noch diese schönen, kraftvollen, lebenslustigen, Frauen unterwegs waren.

Und das solch ein sogenannter Geistlicher beim Anblick einer Frau "in Versuchung kam", das konnte doch nur daran liegen, daß diese mit dem Teufel im Bunde stand und ihn behext hatte.

Und das Wissen über die Heilkunst und die Anwendung von Pflanzen, das sich bei den Frauen über Generationen hinweg aufgebaut hatte, das muß den "Hirten" wirklich Angst eingejagt haben. Denn wenn einfache Dorfmenschen lieber bei einem Kräuterweib als auf dem Beichtstuhl Rat und Hilfe suchten, dann war das absolut unkontrollierbar. Und so wurden diese unbequemen Menschen gnadenlos verfolgt und zusammen mit ihrem Wissen grausam ermordet.
 
  Knusper knusper knäuschen...

...wer wohnt in diesem Häuschen?
  Der religiöse Wahn kostete allein in Deutschland zwischen 20.- und 40.000 Menschen das Leben. Etwa 85 % davon waren Frauen.

Und in den alten Märchen wie "Hänsel und Gretel", die heute noch den Kindern erzählt werden da taucht die Hexe denn als alte, böse, häßliche Frau auf, die heimtückisch Kinder anlockt um sie zu braten und der nur beizukommen ist, indem man sie zum Beispiel in ihrem eigenen Backofen verbrennt. Wie grausam! Mich wundert nur, daß in dem Märchen nicht eigentlich die Eltern von Hänsel und Gretel bestraft wurden. Schließlich haben sie ihre Kinder ausgesetzt und in Kauf genommen, daß die beiden auf unschöne Weise im Wald umkommen.

Solche Geschichten haben ja meistens einen wahren Hintergrund. Der könnte folgendermaßen ausgesehen haben:

Vielleicht war die sogenannte Hexe ja lediglich eine alte Frau, die allein im Wald lebte und sich mit dem Sammeln von Kräutern und dem Verkauf von gewürztem Brot ("Pfefferkuchen", der große Backofen!) durchschlug. Kann doch sein, daß sie die halbverhungerten Kinder fand und sie mit ihrem bewährten Gewürzbrot wieder aufpäppelte ("Pfefferkuchenhaus", "Hänsel wird gemästet").

Und weil nun das "Corpos delicti", die Kinder nämlich, immer noch am Leben waren und "auspacken" konnten, bekamen es die Rabeneltern mit der Angst zu tun und beschuldigten kurzerhand die arme alte Frau eine böse Hexe zu sein. So, oder ähnlich könnte es sich abgespielt haben, oder?

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