| |
(Aus: "Drachenzeit" von Luisa Francia, Verlag Frauenoffensive, München, 1987, S.27;
Eine Buchbesprechung finden Sie am Ende des Zitats)
"Im Märchen "König Drosselbart" wird sehr genau beschrieben, wie die Kraft des Kessels/Bauchs der Frau gebrochen wird. Am Anfang des Märchens ist die Prinzessin noch ganz auf der Höhe ihrer Lust: Sie verspottet alle Freier, will nicht heiraten und bringt zu jedem Mann, der ihr vorgestellt wird, einen Einwand. Offenbar ist sie noch in der Position, einen Mann nehmen/wählen zu können. Doch schon ist der Vater stark genug (von der Königin ist bezeichnenderweise nicht mehr die Rede, die wurde bereits entmachtet), die Tochter an die Leine zu legen: Wenn du jetzt diesen letzten Bewerber, den König Drosselbart nämlich, nicht nimmst, wirst du dem nächsten Bettler angetraut. Der verkleidete König Drosselbart (der neue Held einer neuen Zeit) kommt als Bettler, um die Prinzessin zu brechen und in Besitz zu nehmen. Er will sie unbedingt haben, aber zu seinen Bedingungen. Er zwingt sie zur Hausarbeit, sie muß Körbe flechten und die gröbste Arbeit tun, während er den ganzen Tag fort ist. Obwohl sie sich größte Mühe gibt, beschimpft er sie und macht sie jeden Abend fertig. Als er sieht, daß sie fast gebrochen ist, läßt er sie ausgerechnet irdene Töpfe auf dem Markt verkaufen. Das Symbol des Bauches und der Nahrung wird nun von der Prinzessin zu Markte getragen. Sie kommt gut zurecht, wird von den anderen Marktfrauen gern gesehen, und just in dem Moment, als ihr das Leben wieder Spaß macht, kommt König Drosselbart auf einem Pferd daher und zertrümmert alle ihre Töpfe. Symbolisch heißt das: Er bricht ihren Willen, er nimmt ihre Fruchtbarkeit, ihren Bauch in Besitz. Nicht genug der Demütigung, läßt er sie auf sein Schloß gehen, um dort Essensreste von dem bevorstehenden Hochzeitsfest zu holen. Als sie ihr Töpfchen mit Nahrung gefüllt hat (der Topf wird immer kleiner!), stürmt er, festlich gekleidet in den Saal, wirft sie um, so daß das Töpfchen zu Boden fällt und zerbricht und as ganze Essen herausläuft, und als sie gebrochen und verzweifelt die Scherben zusammenklaubt, gibt er sich großartig zu erkennen und bietet ihr eine festliche Hochzeit mit ihm als König an.
An diesem Märchen können wir deutlicher als sonst irgendwo die Machtergreifung durch das Patriarchat studieren. Die Frau wird gebrochen, ihrer Lebenskraft beraubt, in Besitz genommen und muß fortan gezähmt, domestiziert, auf ein Objekt reduziert leben. "
|
|
| |
Buchbesprechung:
 |
Drachenzeit
von Luisa Francia
Verlag Frauenoffensive
München 2000
Preis: 9,90 EUR
|
Bestellen bei Amazon |
| Unsere
Meinung: |
Es sollte, wie ich finde, bei keiner
Frau - ob jung oder alt -im Bücherschrank fehlen. |
|
Dieses Buch ist nun wirklich speziell
etwas für Frauen, denn es geht um ein absolut weibliches Thema-
nämlich die Menstruation. Luisa Francia richtet sich hier nicht
nur an die menstruierenden Frauen, "die Drachinnen", wie
sie sie nennt, sondern auch an junge Mädchen - "die Drachenjungfrauen"
-, und reife Frauen, - die "Drachengroßmütter".
Sie berichtet über Mythen und unterschiedlichste Bräuche,
erzählt Geschichten und ermutigt uns Frauen, uns und unseren
Körper mit allen Rhythmen, Veränderungen, Hochs und Tiefs
zu genießen und zu feiern.
Dieses Buch ist genauso sinnlich wie feurig - nun ja und auch ein
bißchen magisch!
Es sollte, wie ich finde, bei keiner Frau - ob jung oder alt im Bücherschrank
fehlen.
Ich jedenfalls lese jeden Monat wieder gern darin.
>>>Übrigens: Männer sollten dieses Buch nur lesen,
wenn sie bereit sind, dem Drachen furchtlos und friedlich gegenüberzutreten
:-) :-) ;-) |
|
|