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(Aus: "Zaubergarn", Luisa Francia, Verlag Frauenoffensive, München 1989, S. 64
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""... Da liegt das Zaubergarn, in einem hübschen Knäuel, kaum zu glauben, es liegt da und wartet darauf, von dir aufgehoben und versponnen zu werden. Du hebst es auf und fängst an, spinnst hierhin, dorthin, bunte Muster, neue Bilder, alte Erinnerungen.
Dann kommt jemand und sagt, : >Sag mal, spinnst du?< Der Traum bricht, das Knäuel wird dünner und dünner, trägt nichts mehr, die Bilder verschwimmen, das Gewebe ist so zart, daß es hinter den klaren Worten des Zweiflers brüchig in sich zusammenfällt, wo ist es? Wo ist das Zaubergarn? Warum habe ich es verloren? Und jemand sagt: > Siehst du, das ist alles Quatsch. Versponnener Unsinn, das ist nicht real, nicht rational.< Eines Tages liegt es wieder da. Zaubergarn, fein, glatt, zart. Du nimmst es auf, fängst behutsam an, ein Muster zu wirken, freust dich daran, hütest es vor den Blicken und Kommentaren der anderen und spinnst. Dann siehst du es deutlicher, bunter, fester. Du gibst dich deinem Faden hin, er trägt dich, die hängst an deinem eigenen gesponnenen Faden in der Luft, läßt dich schaukeln, vom Wind tragen, von der Sonne wärmen, läßt dich von deiner Phantasie davon tragen. Irgendwann schreibst Du es auf, malst ein Bild davon, feierst ein Fest - und jetzt wird der Faden sichtbar, spürbar auch für andere. >Sie spinnt aber schön< , sagt jemand. Schau das Gewebe, das die Spinne sich spinnt. Ihre Nahrung fängt sich darin und am Ende ihres Lebens spinnt sie sich selbst ganz ein. Sie läßt sich in ihren Faden fallen. Hauchzart, und doch fest ist er . An wenigen Stellen befestigt sie ihr Gewebe, da, wo sie Verbindung zu ihrer Umwelt aufnimmt, zu einer Decke, einer Wand, einem Balken.
Sie spinnt, und es macht Sinn. Sie spinnt und es ist richtig, daß sie spinnt. Sie spinnt, deshalb kann sie leben. Spinnenfrau ist die Schöpferin vieler indianischer Stämme. Spinnenfrau träumt mein Leben...." |
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