| |
Wie lerne ich Wildkräuter kennen? |
|
| |
Für alle diejenigen, die sich für das Sammeln von Wildkräutern interessieren, aber bisher kaum Pflanzenwissen haben, empfiehlt sich zunächst einmal die Anschaffung eines guten Pflanzenbestimmungsbuches.
Für Anfänger eignen sich Fotobände mit kurzen Erklärungen am besten. Solch ein Buch sollte kompakt und nicht zu schwer sein, so daß es gut unterwegs mitgenommen werden kann.
Sehr praktisch ist z.B. Der Kosmos Pflanzenführer "Was blüht denn da" als Fotoband, Autor: Dietmar Aichele. Hier sind die Pflanzen nach Blütenfarben geordnet, so daß Sie eine Pflanze sehr leicht und schnell finden können, obwohl Sie vielleicht nicht wissen, zu welcher Pflanzenfamilie sie gehört.
Der Nachteil eines solchen Buches ist zwar, daß Sie nur blühende Pflanzen bestimmen können, aber die Bestimmung anhand von Blättern ist sowieso eine kniffligere Angelegenheit, die Sie sich für später aufheben sollten. |
|
| |
 |
|
Im Garten der Natur
üppige Vielfalt. |
|
|
| |
Wenn Sie nun ein solches Buch angeschafft haben, dann ziehen Sie erst einmal Ihre Wanderschuhe an und machen einen Ausflug ins Grüne. Das Buch nehmen Sie mit, den Sammelkorb und das Messer lassen Sie zunächst zu Hause. Es ist nämlich sehr wichtig, daß Sie ein Gefühl fürs "Grünzeug" bekommen, Ihre Sinne schärfen und das Auge schulen, bevor Sie richtig mit der "Ernte" loslegen. Das gilt ganz besonders dann, wenn Sie in einer Großstadt wohnen und nicht sehr viele Wildpflanzen zu Gesicht bekommen.
Schauen Sie sich um, was Sie an Blühendem entdecken können und versuchen Sie die Pflanzen in Ihrem Buch zu finden und zu bestimmen. Fühlen Sie, wie sich die Blätter anfühlen und riechen Sie an der Pflanze. Verströmen die Blätter einen bestimmten Duft, wenn Sie sie leicht zwischen Daumen und Zeigefinger reiben? Duften die Blüten? - Oder riecht die Pflanze eher unangenehm? Sind die Blätter behaart oder glatt?
Schauen Sie sich auch genau die Blüten und ihren Aufbau an. In einem guten Bestimmungsbuch werden Sie auch ein Kapitel über Pflanzenfamilien finden. Eines der wesentlichen Merkmale für die Zuordnung zu einer Familie ist der Aufbau der Blüte. Zum Beispiel sehen Brennesseln und Taubnesseln sehr ähnlich aus, wenn man nur ihre Blätter betrachtet. Man könnte meinen, sie sind miteinander verwandt, - sind sie aber nicht- (Brennesseln sind Nesselgewächse lat. Urticaceae, Taubnesseln sind Lippenblütengewächse, lat. Lamiaceae). Wenn Sie sich die jeweiligen Blüten anschauen, dann werden Sie enorme Unterschiede erkennen. |
|
| |
 |
|
Brennessel
an einem natürlichen Standort. |
|
|
| |
Schauen Sie sich auch den Standort genau an, an dem Sie eine bestimmte Pflanze vorfinden.
Ist der Boden dunkel und locker oder eher lehmig hell und hart? Ist der Standort sonnig und warm oder schattig und kühl? Ist der Boden feucht oder gar morastig oder eher trocken und karg? Welche Kräuter und Gräser wachsen noch dort? Wachsen dort Bäume, - und wenn ja, welche?
Es ist auch interessant zu schauen, wie häufig eine Pflanze vorkommt und ob sie gern in der Gruppe mit anderen Artgenossen steht oder lieber ein Einzelgängerdasein bevorzugt.
Nun, keine Sorge, sie müssen ihre Wochenendausflüge nicht in anstrengende Schulstunden verwandeln. Nehmen Sie sich Zeit und bestimmen Sie nicht zu viele Pflanzen auf einmal. Der einzige Indikator dafür, ob Sie "es richtig machen" ist der, daß Sie Spaß daran haben. Schließlich soll die Entspannung und die Erholung in der Natur nicht zu kurz kommen. Beobachten heißt auch einfach offen zu sein und das sind Sie am meisten, je entspannter Sie sind und nicht, indem Sie die ganze Zeit über mit der Nase im Buch umherwandern. Nehmen Sie sich vielleicht vor, auf einem Spaziergang fünf Pflanzen nachzuschlagen und anschließend das Buch zuzuklappen und die Landschaft zu genießen.
Haben Sie Geduld! Wahrscheinlich werden Sie sich nicht auf Anhieb alle Pflanzennamen merken können. Das macht nichts! Schlagen Sie einfach immer wieder nach und blättern Sie auch zu Hause hin und wieder in Ihrem Buch, wenn Ihnen danach ist.
|
|
| |
 |
|
Ein Pflanzenbestimmungsbuch
ist ein unentbehrliches Hilfsmittel. |
|
|
| |
Es kommt hier nicht auf Leistung an, sondern darauf, daß Sie Interesse haben und "dran bleiben". Je öfter Sie sich in freier Natur bewegen, um so vertrauter werden Ihnen Pflanzengesellschaften, Tiere und natürliche Zusammenhänge.
Beobachten Sie den Lauf der Jahreszeiten. Zu jeder Jahreszeit wachsen, blühen und fruchten unterschiedliche Pflanzenarten.
Parallel zu Ihren Bestimmungsübungen in freier Wildbahn können Sie auch Kräuter in Töpfen kaufen oder selbst aussäen. Gute Samenhandlungen und Gärtnereien bieten mittlerweile auch schon Wildkräutersaat- und Pflanzgut an. Hier können Sie dann vor Verwechslungen absolut sicher sein und die Pflanzen ohne Bedenken, auch in der Küche, kennenlernen.
Diejenigen unter Ihnen, die besonders ungeduldig sind, werden jetzt vielleicht sagen, daß ihnen das alles zu aufwendig ist und sie doch am liebsten sofort sammeln möchten. Ich kann Ihnen aber versichern, daß diese Art von Vorarbeit sehr wertvoll ist und Sie möglicherweise vor fatalen Verwechslungen bewahrt.
Wenn Sie aber jemanden kennen, der / die gute Pflanzenkenntnisse hat, dann bitten Sie sie oder ihn doch, Sie bei Ihren Streifzügen zu begleiten und zu unterweisen.
Eine andere Möglichkeit, sofort in den Genuß frischer selbst gesammelter Wildkräuter zu gelangen und einen Einblick zu bekommen, sind angeleitete Kräuterwanderungen. Sie werden von Pflanzenkundigen privat oder z.B. auch in Volkshochschulen angeboten.
Aber dies ist nur der Anfang. Das sichere Bestimmen lernen Sie nur durch regelmäßige Übung. |
|